Ist Kryonik in Deutschland möglich?

Unseren Verein erreichen immer wieder Fragen dazu, ob Kryonik in Deutschland überhaupt möglich sei. Hierzu zunächst einmal die gute Nachricht: Ja, Kryonik ist in Deutschland möglich. Die vollständige Antwort ist allerdings etwas komplexer.

Kryonische Erstversorgung

Sobald ein Arzt in Deutschland einen Totenschein ausgestellt hat, dürfen Berechtigte mit der kryonischen Erstversorgung beginnen. Zum Kreis der Berechtigten gehören in der Regel Mediziner und Bestatter. Die kryonische Erstversorgung umfasst dann viele Einzelschritte, von schneller Kühlung des Patienten auf eine Temperatur nahe null Grad Celcius, über Medikamentengabe bis hin zur Perfusion, bei der das Blut des Patienten durch eine Schutzlösung ersetzt wird. Diese Schutzlösung verhindert beim weiteren Herunterkühlen des Körpers unter eine Temperatur von null Grad Celcius die Bildung von Eiskristallen, die das Gewebe des Patienten, insbesondere aber die neuronale Struktur des Gehirns, schädigen würden.

Derzeit gibt es niemanden, der eine vollständige kryonische Erstversorgung als Paket an Serviceleistungen in Deutschland anbietet. Wer sich ernsthaft für Kryonik als Option zur Lebensverlängerung interessiert, muss sich selbst um eine Reihe von Vorbereitungen kümmern. Unser Verein bietet Interessierten eine Plattform, um sich über diese Vorbereitungen auszutauschen. Gleichzeitig bilden sich derzeit in immer mehr Landesteilen auch regionale Selbsthilfegruppen, so dass Kryonikinteressenten die kryonische Versorgung trainieren und dann als freiwillige Helfer gegebenenfalls unterstützen können.

Kryonische Langzeitlagerung

Nach der kryonischen Versorgung muss der Patient gekühlt gelagert werden, was derzeit bei einer Temperatur von -196°C in flüssigem Stickstoff geschieht. In den USA gibt es seit über 40 Jahren zwei Institute, die diese Langzeitlagerung anbieten: die Alcor Life Extension Foundation in Arizona und das Cryonics Institute in Michigan. In allen uns bekannten Fällen haben deutsche Kryoniker sich nach der kryonischen Versorgung in Deutschland dann für die Langzeitlagerung bei einem dieser beiden Institute in den USA entschieden, der Körper wurde dann von einem Bestatter überführt. Theoretisch existiert noch eine alternative Möglichkeit zur Langzeitlagerung in Russland, bei der 2005 gegründeten Firma KrioRus nahe Moskau. In Australien arbeitet Stasis Systems Australia am Aufbau eines weiteren Instituts, welches aber derzeit noch keine Langzeitlagerung anbietet.

Der Aufbau einer eigenen Langzeitlagerung in Deutschland ist theoretisch möglich, praktisch aber nicht ganz einfach. Die Rechtslage sieht in Deutschland im Normalfall die Erd- oder Feuerbestattung vor. Ausnahmen zu dieser Regelung werden allerdings regelmäßig erwirkt, beispielsweise im Falle von Körperspenden an medizinische Institute zu wissenschaftlichen Zwecken. Auf diesem Wege ist beispielsweise die bekannte Körperwelten-Ausstellung durch den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg rechtlich legitimiert worden, und auch die amerikanischen Kryonik-Anbieter arbeiten dort unter dem entsprechenden Gesetz zur Körperspende (dem „Uniform Anatomical Gift Act“).

Ob der Aufbau eines Instituts in Deutschland aktuell sinnvoll wäre, wird unter Kryonikern diskutiert. Dafür spräche, dass Kryoniker eine weitere Option für die Langzeitlagerung zur Auswahl hätten und gegebenenfalls der Langstreckentransport auf einen anderen Kontinent wegfiele. Dagegen spräche die relativ geringe Fallzahl weltweit, welche den Betrieb weiterer Institute erschwert und relativ teuer macht – bei den seit 40 Jahren tätigen Instituten in den USA befinden sich derzeit insgesamt gut 200 Kryoniker in Langzeitlagerung. In jedem Fall wären aufgrund der besonderen rechtlichen, geographischen und geopolitischen Situation im kleinräumig strukturierten Europa intensive Gespräche mit Kryonikern aus den Nachbarländern notwendig, um das europäische Land mit den kryonikfreundlichsten Rahmenbedingungen zu identifizieren und dann gemeinsam an einem Institut für die kryonische Langzeitlagerung zu arbeiten. Wer sich hier ernsthaft einbringen oder mitdiskutieren möchte, ist in unserem Verein sehr herzlich willkommen!

Autor: Dirk Nemitz

Deutsche Dokumentarfilmer besuchen Cryonics Institute

Ein deutsches Filmunternehmen besuchte im August das Cryonics Institute in Michigan, USA, eine der beiden großen etablierten Kryonik-Organisationen.

Das Team von Petrolio Films um den Regisseur Hannes Lang (links im Bild, neben Journalist Thilo Schmidt) arbeitet an einer Dokumentation über Menschen in verschiedenen Ländern, die sich für Verbesserungen in der Welt einsetzen. Gespräche, das Cryonics Institute als ein Beispiel dafür zu nehmen, fanden bereits 2012 statt. Das Filmprojekt, das den Namen „I want to see the manager“ trägt, erhält Fördergelder von Deutschland und ist seit zwei Jahren in Vorbereitung.

Wir sind gespannt auf den Film, der 2014 erscheinen soll.

Quelle: The Macomb Daily
Homepage des Filmprojektes