Perfusion

Praktische Übung in Ulm

Am 14.05. übte das Ulmer Projekt die Perfusion einer Schweinelunge im geschlossenen Kreislauf. Der Vorteil der Übung an einer Lunge ist, dass die Blutgefäße sich leicht auffinden lassen.

 

Verlauf und FazitPerfusion

Die Stümpfe der Blutgefäße wurden anatomisch präpariert und Kanülen eingebunden, die jeweils durch Ligaturen befestigt wurden. Der Kreislauf lief regelkonform und es wurde eine Blutsäule in der Vene sichtbar. Die Lunge blähte dann aber und die Perfusion stockte, da sich der Druck für das Niederdrucksystem der Lunge nicht empfindlich genug regeln ließ.

Die großen Bronchien und Gefäße wurden anschließend in der Hauptrichtung eröffnet. Sie zeigten keine Verletzung oder Degeneration.

Der nächste Versuch wird einer besseren Druckregulierung dienen.

Bildinhalt: Die Schweinelunge liegt in einer Eiswanne. Arterie und Vene sind kanüliert. Über einen Trichter wird beim ersten Durchlauf Kryoprotektivum in das venöse Reservoir geführt und von dort über die Pumpe (hinter der Eiswanne sichtbar) in die Arterie. Über die Kanüle in der Vene fließt es in das venöse Reservoir zurück.

 

Autor: Prof. Klaus Sames

Bericht: DGAB-Treffen in Nürtingen

Am 19.07.2014 fand das aktuelle Treffen der Kryoniker im Großraum Stuttgart und Ulm statt. (Siehe auch Berichte vorheriger Treffen: März 2014, Oktober 2013)

 

Einführung in die Aktivitäten im Schwabenraum

Ausgangspunkt und Rahmen ist das Ulmer Projekt, in welchem Klaus Sames und Michael Saxer ehrenamtlich beteiligt sind. Die DGAB-Sektion für die Optimierung der Kryopräservierung (S-OK) fördert das Ulmer Projekt. Der S-OK Vorsitzende Dirk Nemitz sowie Klaus Sames sind als Vorstandsmitglieder der S-OK anwesend. Die Sektion hat u.a. die Aufgabe, die verschiedenen Gruppen und Aktivitäten zu bewerten und zu koordinieren.

Michael Saxer ist aktives Mitglied im Ulmer Projekt und beispielsweise in die Herstellung der Vitrifikationslösung VM1 involviert, welche für Versuche oder Kryonik-Notfälle zur Verfügung steht.

Michael Wagner wird mit der zukünftigen Organisation der Schwabentreffen betraut sein, die als Regionaltreffen völlig unabhängig stattfinden, aber über kurze Wege mit dem Ulmer Projekt in Kontakt stehen.

Arbeit mit Thanatopraktikern

Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine kryonische Erstversorgung am besten mit Thanatopraktikern realisierbar ist. Diese sind in Anatomie, Sektion und Perfusion ausgebildet sowie bestens in nahezu allen nötigen Handgriffen und Techniker der kryonischen Versorgung geschult, und können nach zusätzlicher Kryonik-Schulung durch das Ulmer Projekt insbesondere die Perfusion und Vitrifizierung übernehmen. Der Gastgeber Johan Homburg ist Spitzenfunktionär des deutschen Thanatopraktiker-Verbands und konnte für die Kooperation mit dem Projekt gewonnen werden.

Deutschlandweite kryonische Erstversorgung

Das Ulmer Projekt bleibt die zentrale, gut ausgerüstete Perfusionseinheit. Noch zu klären ist, ob auch alle für die Perfusion benötigten Geräte von den Thanatopraktikern, die eine kryonische Versorgung anbieten, gestellt werden, was nicht sofort notwendig ist. Alternativ könnten diese möglicherweise später auch von der DGAB gestellt werden und die Verfügbarkeit (in kleinerer Stückzahl) zentral verwaltet werden. Langfristig gibt es die Möglichkeiten, den Patienten auf Wassereis zu den lokale Perfusionseinheiten (etwa bei den Thanatopraktikern) zu transportieren, oder eine mobile Perfusionseinheit etwa in einem Krankenwagen (wie in England) zum Patienten kommen zu lassen, was mit einem teuer ausgerüsteten Stand-by-Team, dessen Mitglieder über entsprechend viel Zeit verfügen, durchaus Sinn macht.

Vortrag Johan Homburg

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Das langfristige Ziel ist es, einen gleichmäßig hohen Stand aller Abläufe der kryonischen Erstversorgung unter allen beteiligten Thanatologen zu erreichen. Dazu könnten etwa Trainings durchgeführt werden, wobei die DGAB ein entsprechendes Zertifikat ausstellen könnte, welches von der S-OK in den nächsten etwa 18 Monaten mit allen Anforderungen formuliert wird.

Johan informiert über einige organisatorische Formalitäten, die schon bezüglich einer Versorgung in Erfahrung gebracht werden konnten. Es sind Unkostenbeiträge zu verrichten.

Johan Homburg hat ein komplettes und umfangeiches Angebot für Kryoniker zusammengestellt, welches die Erstversorgung, Perfusion sowie sämtliche Transportvorgänge, Formalitäten und den Überflug in die USA mit Transportsarg in Trockeneis enthält.

Perfusionskreislauf

Nach dem Mittagessen stellen Johan und Klaus noch den Perfusionskreislauf vor. Dieser ist im Bestattungshaus Riempp aufgebaut und wird mit zwei Pumpen einer Herz-Lungenmaschine betrieben. Insgesamt besteht das Ulmer Kompetenzteam, welches derzeit die Perfusion beherrscht, aus fünf Leuten (Kardiotechniker oder Perfusionist mit täglicher Übung in Perfusion, drei Balsamierern, die bereits bei der Ausbildung in Amerika an 70 bis 100 Leichen ausgebildet wurden, und einem ärztlich approbierten Anatomen mit jahrelanger Sektionserfahrung). Die Kompetenz dieses Teams ist damit internationale Spitze (nur von Alcor übertroffen). Leider hat es noch zu wenig Einsatzerfahrung, sollte aber imstande sein, Notfälle zu meistern. Der Perfusionskreislauf wurde bereits mit einer Schweinelunge getestet.

Ausblick

Es ist das klare langfristige Ziel, alle Thanatopraktiker im Netzwerk gleichermaßen in den Abläufen und in der Perfusion zu trainieren, um so einen konstanten, hohen Stand zu erreichen. Durch klare, fest trainierte Abläufe kann auf Dauer eine flächendeckend hohe Qualität der kryonischen Versorgung gewärleistet werden. Der DGAB und der Sektion kann dabei die unterstützende Aufgabe zukommen, die Ausrüstung und Standards der Perfusion auf dem neuesten Stand zu halten und eventuell die Perfusionslösung VM1 bereit zu stellen. Langfristig ist aber auch eine Beauftragung eines Labors mit der Herstellung von VM1 zu überlegen. Dies können dann gleich die Balsamierer vorrätig haben und müsste nicht mehr über die DGAB vermittelt werden.

Ein noch ausstehendes Unterfangen ist die Herstellung und Optimierung eines geeigneten Transportbehälters (Sargs) zur Überführung auf Trockeneis. Insbesondere sollte die Isolierung und Haltbarkeit des Trockeneises von 2-3 Tagen getestet werden. Es ist geplant, dies in Kooperation des Ulmer Projektes durchzuführen.

Autoren: Frank Seifert, Michael Wagner