Neuigkeiten und Berichte zu Cryonics Institute

Warum ich mit 29 Jahren einen Kryonikvertrag abschloss

Als Vorstandsvorsitzender der DGAB spreche ich viel über Kryonik – mit Freunden, mit Verwandten, mit Interessenten, die die DGAB zu diesem Thema kontaktieren. Immer wieder sind Menschen dabei, die die Logik hinter dem Verfahren verstehen, nämlich dass sämtliche Zersetzungsprozesse durch extreme Kälte gestoppt werden, in der Hoffnung, dass zukünftige Medizin an diesem Punkt einsetzen und eine erfolgreiche Wiederbelebung praktizieren kann. Aufgrund meines Biologiestudiums sind mir die zugrunde liegenden naturwissenschaftlichen Zusammenhänge klar, und ich erläutere sie auch immer wieder.  Was ich aber dann oft erlebe ist die Empfindung, man könne sich ja im Rentenalter mal mit dem Thema beschäftigen, weil man sich im Moment noch „zu jung dafür“ fühle. So ging es mir auch viele Jahre – warum sollte ich mich auch um etwas kümmern, was noch viele Jahre in der Zukunft lag?

Trotzdem habe ich mit 29 Jahren dann einen Kryonikvertrag abgeschlossen. Ich hatte einen Fallreport von einem Kryonikpatienten gelesen, der zum 86. Patienten des Cryonics Institute wurde. Zu diesem Zeitpunkt war der junge Mann 27 Jahre alt, und hatte aufgrund seines Studiums der Nanotechnologie eine vielversprechende Zukunft vor sich – bis ihn die Diagnose akute myeloische Leukämie wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf. Der Fallreport dokumentiert die Verzweiflung eines schwer erkrankten jungen Mannes, der die nötigen Vorbereitungen für die Kryonik aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr vornehmen konnte, und nur dank der massiven Unterstützung von verständnisvollen Familienmitgliedern kryonisch versorgt werden konnte. Binnen gerade einmal 8 Monaten führte die Krankheit zum Tod, der junge Mann wurde dann erfolgreich beim Cryonics Institute kryokonserviert.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich viel nachgedacht: was würde mir passieren, wenn ich eine ähnliche Diagnose bekäme? Wer in meinem Umfeld könnte sich dafür einsetzen, dass ich kryonisch versorgt werde? Wem würde ich das aufbürden? Damals war ich mitten im Studium und quasi mittellos, bekam den BAFöG-Höchstsatz – wie hätte ich Kryonik bezahlen können? Nach kurzer Recherche habe ich dann noch vor meinem 29. Geburtstag eine Risikolebensversicherung zugunsten des Cryonics Institute abgeschlossen und die wichtigsten Formalitäten geregelt. Ich habe seitdem das gute Gefühl, dass alles vorbereitet wäre und meine Liebsten sich zumindest mit den bürokratischen Hürden nicht weiter herumschlagen müssen. Der finanzielle Aspekt ist ebenfalls geregelt und kostet mich derzeit weniger als ein Kinobesuch: 10,67 Euro monatlich.

Nur wenige wählen diesen Weg, was für mich völlig unverständlich ist. Ständig gibt es Nachrichten, die mich nachdenklich machen. Innerhalb weniger Tage sind im Juli zwei Moderatorinnen gestorben: Jana Thiel mit 44 Jahren, Miriam Pielhau mit sogar nur 41 Jahren. Das ist näher an meinem jetzigen Alter als der Nanotechnologie-Student, wäre mir aber immer noch viel zu früh – zumal fast schon absehbar ist, dass Krankheiten wie Leukämie in Zukunft heilbar sein werden. Ich möchte im Falle einer solchen Krankheit eine reale zweite Chance bekommen, ein vollständiges und erfülltes Leben zu führen. Denken andere Mensch nicht so? Warum nicht? Ist es die Abneigung, sich pro-aktiv mit der eigenen Vergänglichkeit zu beschäftigen? Oder fehlt es an Informationen und Anleitungen? Letzteres nehmen wir seitens der DGAB gerade in Angriff – ich lade den Leser dieses Beitrags zu einer kostenlosen Basismitgliedschaft in der DGAB ein, um sich näher zu informieren.

Zu diesem Thema möchte ich Dir auch noch eine Denkaufgabe stellen, welche ich aus einem der besten englischen Kryonik-Artikel genommen habe, die ich kenne. Stelle Dir folgendes Szenario vor:

Es gab eine Explosion im Maschinenraum, dieses Flugzeug wird in 15 Minuten auf der Erde zerschellen. Es gibt keine Hoffnung den Absturz zu überleben. Allerdings gibt es einen potenziellen Ausweg: Das Flugzeug transportiert eine Ladung Fallschirme und jeder, der einen benutzen möchte, um aus dem Flugzeug zu fliehen, kann dies tun. Aber ich muss Sie warnen: Die Fallschirme sind Prototypen und wurden nie getestet. Es gibt keine Garantie, dass sie funktionieren.  Auch wissen wir nicht, welches Terrain sich unter uns befindet. Bitte stellen Sie sich im Gang an, wenn Sie einen Fallschirm haben möchten und die Stewardess reicht Ihnen einen, zeigt Ihnen wie er funktioniert und geleitet Sie zum Notausgang, wo Sie springen können. Diejenigen, die diese Option nicht wählen, bleiben bitte auf Ihren Plätzen sitzen – es wird schnell vorbei sein und Sie werden keine Schmerzen spüren.

Was würdest Du tun?

Kryonik – Die 10 verbreitetsten Mythen

10mythen

Übersetzung aus dem Englischen von Dennis Mühlfort für die DGAB, mit freundlicher Genehmigung des Cryonics Institute (CI). Alle hier vertretenen Ansichten stimmen nicht zwangsläufig mit denen der DGAB überein. In erster Linie soll dieser Text dem deutschsprachigen Leser eine Hilfestellung geben, sich über Themen der Kryonik besser zu informieren.

Verbreitete Kryonik-Mythen
In den späten 1960er-Jahren gelangte das Konzept der Kryonik erstmalig in den öffentlichen Diskurs. Seitdem hat die Kryonik eine Menge Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Leider beruhte ein Großteil der Berichterstattung auf falschen Wahrnehmungen und Aussagen von „Experten“, die keinerlei Basiswissen im diesem Bereich aufwiesen.

1. Kryonik friert Menschen ein

Die gegenwärtig bevorzugte Technologie von Kryonikern ist die Vitrifikation, nicht das Einfrieren. Vitrifikation ist ein Prozess, bei dem mehr als 60% des Wassers in den Zellen durch eine zellschützende Chemikalie ersetzt wird. Diese verhindert gänzlich Gefriervorgänge im Körper während der Körperabkühlung. Da der Körper langsam und beständig abgekühlt wird anstatt direkt tiefgefroren, bewegen sich die Moleküle sukzessive langsamer, bis alle chemischen Vorgänge bei der Glasübergangstemperatur zum Erliegen kommen (bei etwa – 124°C). Im Gegensatz zum Einfrieren gibt es keine Eisbildung oder Schäden im vitrifizierten Gewebe, die durch Eiskristallbildung verursacht werden würden. Blutgefäße wurden bereits aus der Vitrifikation wieder in ihren Ursprungszustand zurückgeführt. Zudem wurde eine Niere erfolgreich transplantiert, die unbeschadet die Vitrifikation bei ca. -135°C überstand.

2. Kryonik konserviert tote Menschen

Der Zweck von Kryonik ist es, das Leben lebender Menschen zu retten, nicht Tote einzulagern. Der kryonische Ablauf beginnt, nachdem der gesetzliche Tod festgestellt wurde. Doch der biologische Tod des Gehirns und des Körpers ist ein Vorgang, der nach dem Herzstillstand beginnt. In Zeiten der Intensivpflege jedoch ist der Tod mehr ein Prozess als ein plötzlich eintretendes Ereignis. Eine Vorhersage des einsetzenden Todes kann nicht als Diagnose dienen.

Der Zweck der Kryonik ist es, den Sterbeprozess schnell genug zu unterbrechen und zu stoppen, sodass er in der Zukunft wieder reversibel ist. Unterstützer der Kryonik denken, dass niemand wirklich tot ist bis der Informationsgehalt im Gehirn erloschen ist und dass niedrige Temperaturen diesen Verlust verhindern können.

3. Experten sagen, dass Kryonik nicht funktionieren kann

Tatsächlich verfügen nur sehr wenige Menschen über ausreichend Expertise, die Kryonik wirklich beurteilen zu können. Beispielsweise wissen nur wenige Wissenschaftler, was Vitrifikation überhaupt ist. Noch weniger wissen, dass Vitrifikation die Zellstruktur ganzer Organe oder Gehirne erhalten kann. Der ganz normale Hausarzt weiß gewiss wenig bis nichts über die wissenschaftlichen Grundlagen der Kryonik. Und sogenannte „Experten“ können die zukünftigen technologischen Fortschritte auch nicht besser vorhersagen. Führende  „Experten“ ihrer Zeit sagten voraus, dass keine Objekte, die schwerer als Luft sind, fliegen können werden. Auch der weitverbreitete Gebrauch von Computern wurde als unrealistisch abgetan.

Die Situation ist vergleichbar mit der Entwicklung der Raumfahrt vor dem 2. Weltkrieg. In jener Zeit beharrten die Luftfahrt-Experten hartnäckig darauf, dass Raumfahrt unmöglich sei. Nur Robert Goddard und ein paar deutsche Raketenwissenschaftler wussten, dass mehrstufige Raketen der Erdgravitation entkommen können. Wie so oft können am besten diejenigen die Entwicklung eines Themenbereiches abgeben, in dem sie selbst Experten sind. Und nie hat ein tatsächlich qualifizierter Experte je gesagt, dass Kryonik nicht funktionieren kann.

4. In der Kryonik werden Köpfe präserviert

CI hat kein Interesse daran, Köpfe zu präservieren. CI präserviert Menschen. CI denkt, dass so viele Informationen bzw. soviel vom Patienten wie möglich erhalten bleiben sollen. Auch wenn CI keine Präservierung des Kopfes allein anbietet, bietet es die attraktivsten Preise in der Kryonik. Denn unsere Ganzkörper-Präservierung kostet bedeutend weniger als die ausschließliche Präservierung des Kopfes anderer Unternehmen oder Institue in diesem Bereich.

5. Ehrenwerte Wissenschaftler und Ärzte unterstützen die Kryonik nicht

Mehr als 60 Wissenschaftler und Ethiker haben einen offenen Brief eines Wissenschaftlers unterschrieben, der die wissenschaftlichen Grundlagen der Kryonik bestätigt. CI hat zudem angesehene Wissenschaftler und Ärzte als Mitglieder sowie wissenschaftliche und medizinische Beiräte. Dazu gehören auch Mitglieder, die bereits vor dem U.S.-Kongress ausgesagt haben (kein Kryonikbezug). Ebenso gehört ein Mitglied der U.S. National Academy of Science zu CI.  Bei Zeugenaussagen vor Gericht haben Wissenschaftler Erklärungen abgegeben, in denen sie sich für die  Kryonik aussprachen.

Die meisten Kryobiologen sprechen sich allerdings nicht öffentlich für die Kryonik aus. Teilweise ist dem so, weil aufsehenerregende Veröffentlichungen rund um die Kryonik dazu tendieren, Errungenschaften der Kryobiologie hinsichtlich medialer Aufmerksamkeit den Rang abzulaufen. Dazu gehören Bereiche wie Reproduktionsbiologie, Konservierung von Organen und Krebsbehandlung.  Andererseits übersehen Kryobiologen Daten und Argumente, die für die Kryonik sprechen. Die Geschichte der Politisierung von Kryonik unter Kryobiologen wurde dokumentiert in dem Artikel „COLD WAR: The Conflict Between Cryonicists and Cryobiologists“.

Die derzeit bevorzugte Technologie ist übrigens die Vitrifikation, nicht das Einfrieren. Die Vitrifikation ist ein Prozess, bei dem mehr als 60% des Wassers in den Zellen durch eine schützende chemische Lösung ersetzt wird. Dies verhindert das Gefrieren während des Abkühlens. So wird erreicht, dass Moleküle sich sukzessive langsamer bewegen bis jegliche chemische Aktivität aufhört, sobald die Glasübergangstemperatur (-124°C) erreicht ist. Im Gegensatz zum Einfrieren entstehen keine Gewebeschäden durch Eiskristalle im vitrifiziertem Gewebe. Blutgefäße wurden bereits wieder aus dem Status der Vitrifikation zurückgeführt und auch eine komplette Niere wurde wieder hergestellt und erfolgreich transplantiert. Die Langzeitlebensdauer der Niere wurde erreicht durch die Vitrifizierung bei -135°C.

6. Kryonik und Religion beißen sich

Das Ziel der Kryonik ist das Überwinden ernstzunehmender Krankheiten durch das Erhalten und Beschützen von Leben. Aus diesem Grund ist die Kryonik auf einer Linie mit den lebensbejahenden Prinzipien der Medizin, aber auch der Religion. Opfer von Unterkühlung wurden nach mehr als einer Stunde ohne Atmung, Herzschlag oder Hirnaktivität wiederbelebt. Künstliche Hypothermie wird manchmal benutzt, um Patienten für längere Zeiträume während einer Operation am Gehirn “ abzuschalten“, wenn der Herzschlag gestoppt werden muss. Menschliche Embryonen werden regelmäßig kryopräserviert und wiederbelebt. Sollte Kryonik funktionieren, dann funktioniert sie, weil dahinter der grundlegend gleiche Mechanismus steckt wie bei anderen Formen des Kälteschalfs, die man bereits in der Medizin kennt. Diese Zustände werden in den meisten modernen Religionen akzeptiert. Patienten in diesem Zustand werden als Komaptienten gesehen, nicht als Tote.

Kryonik-Patienten sind theoretisch dasselbe wie ein Patient in einem Krankenhaus, der nicht bei Bewusstsein ist und deren Krankheitsverlauf ungewiss ist. Bewegende Essays aus der katholischen und protestantischen Sicht sprechen sich für den Wert der Kryonik aus, auch unter moralischen Gesichtspunkten. Mitglieder diverser Ausprägungen des Christentums und weitere Religionsanhänger sind bereits Mitglieder des Cryonics Institute geworden. Für weitere Informationen lesen Sie bitte „Christianity and Cryonics“ sowie weitere Artikel über Religion und Kryonik. CI begrüßt Texte aller Religionen, die sich für die lebensbejahende Eigenschaft der Kryonik aussprechen.

7. Kryonik speist sich aus einer irrationalen Angst vor dem Tod

Zynisch gefragt: Wenn ein starker Wille zum Leben als ein Ausdruck von Feigheit gesehen wird, warum sollte man überhaupt schwerwiegende Krankheiten behandeln?
Interessanterweise waren beide Kryonikgründer, Robert Ettinger und Jerry Leaf, Veteranen im militärischen Kampf. Ein rationales Verlangen weiterzuleben ist nicht dasselbe wie eine irrationale Angst vor dem Tod. Um es mit den Worten des Biologen Peter Medawar zu sagen: „Es gibt keinen tiefer sitzenden biologischen Instinkt als das Festhalten am Leben. Im Kampf um das Leben liegt sowohl mehr Würde als auch mehr  Menschlichkeit als im passiven Loslassen unserer hart erarbeiteten und tief geschätzten Besitztümer.“

8. Kryonik ist nur etwas für Reiche

Gute Nachrichten: Das stimmt so nicht. Beim Cryonics Institue (CI) zum Beispiel kostet die Kryokonservierung (inklusive Vitrifikations-Perfusion und Langzeit-Lagerung) 28.000$ (ca. 24.500€). Dies ist eine einmalige Gebühr, die zum Zeitpunkt des (hoffentlich nur vorzeitigen) Todes eintritt. Auch wenn diese Gebühr bar bezahlt werden kann, wird dies oft anhand einer Lebensversicherung abgedeckt, die den Betrag zum Todeszeitpunkt an CI überweist. Das Kryonik-Standby-Team, das sich um das Herunterkühlen und die kardiopulmonale Anwendung bei Feststellung des Todes kümmert, kann u.U. durch eine bestimmte Art der Lebensversicherung abgedeckt werden.

– HINWEIS der DGAB: Wenn Sie mehr über die Möglichkeiten der Kostendeckung in Deutschland erfahren möchten, kontaktieren Sie uns gerne.

9. In der Kryonik bekommst du, was du bezahlst

Preise variieren deutlich. CI hat bei Weitem die angemessensten Preise aller Kryonik-Organisationen. Unser Verfahren ist sehr kostenbewusst, basieren aber auf Experimenten und professioneller Evaluierung. Unserer Meinung nach bietet es zudem die bestmögliche Chance auf Wiederbelebung.
Wir denken, dass zukünftige Mitglieder sich umschauen sollten. Preise anderer Organisationen können bis zu 200.000 $ oder mehr für Ganzkörper-Konservierung betragen und 80.000 $ für die „Neuro“ (nur der Kopf)-Option, die wir als unnötig und kostenintensiver als CI´s Ganzkörper-Konservierung erachten.
Hier finden Sie die Vorteile von CI im Vergleich zu anderen Kryonik-Organisationen.

10. Kryonik ist Betrug oder Abzocke

CI ist ein  Non-Profit-Institut, sodass öffentliche Einsicht in die Buchführung möglich ist. Einige Mitarbeiter engagieren sich ohne Entgelt. Es wird kein Geld mit Kryonik verdient – dies hat CI auch nicht vor. Im Vordergrund steht der Wunsch, die Chancen für die Wiederbelegungen von geliebten Menschen und sich selbst zu erhöhen.

Die Mission von CI ist es, die Patienten ungebrenzt lang im Kälteschlaf verweilen zu lassen, bis die Wissenschaft einen Weg gefunden hat, sie wiederzubeleben. Die Mission ist nicht das Anhäufen von Geld. Unsere Mitglieder und Patienten (inklusive Robert Ettinger, dem Vater der Kryonik sowie Familienangehörige von ihm) glauben, dass dies gelingen kann und die Chance auf ein zweites Leben besteht. Gleichwohl bietet die Wissenschaft derzeit diese Möglichkeit nicht, weshalb es zu Anschuldigungen kommt, dass Kryonik nur Abzocke und Betrug ist. Andererseits profitiert niemand von CI vom CI-Institut oder den Beiträgen der Mitglieder. Wir haben lediglich zwei Vollzeit-Angestellte. Die weiteren Direktoren und das Management leisten Ihre professionelle Arbeit auf strikt freiwilliger Basis. Das zur Verügung stehende Geld wird genutzt, um alle Abläufe und die Lagerung unserer Patienten kontinuierlich aufrecht zu erhalten, bis sie erfolgreich zurückgeholt werden können. Ein Großteil des Geldes wird für flüssigen Stickstoff ausgegeben, der regelmäß nachgefüllt werden muss. Zusätzlich minimieren wir unsere Ausgaben auf das Nötigste , um unserern Mitgliedern eine Kryostase zum bestmöglichen Preis anbieten zu können und alle notwendigen Leistungen so lange wie möglich aufrecht erhalten zu können…bis eine Wiederbelebung möglich sein wird.

Was die Wiederbelebung angeht wissen unsere Mitglieder und Patienten, dass es keine absolute Garantie oder eindeutigen Beweis für den Erfolg gibt – bisher. Aber dies ist, worauf wir alle zählen – nämlich dass die Wissenschaft letztendlich die Wiederbelebung ermöglicht und wir alle eine zweite Chance in unserem Leben erhalten.

The Guardian: Cool bleiben und weiter machen!

Auch die britische Zeitung „The Guardian“ schrieb vor wenigen Tagen über Kryonik unter dem Titel: „Dying is the last thing anyone wants to do – so keep cool and carry on

Immerhin 165 Leserkommentare folgten auf dem Fuße. Erst kürzlich veröffentlichte die New York Times eine bewegende Geschichte über eine junge Frau (s.u.), jetzt zieht der Guardian mit einer weiteren Berichterstattung nach. Ein gutes Zeichen, wenn vermehrt in etablierten Medien über Kryonik berichtet wird.

Spiegel TV über Kryonik mit DGAB-Mitgliedern

Spiegel TV besucht in einem aktuellen Beitrag über Kryonik zwei DGAB-Mitglieder und das Cryonics Institute in den USA.

Prof. Klaus Sames, Ehrenvorsitzender der DGAB, demonstriert zusammen mit einem Bestattungsunternehmer und eines Kardiotechniker die Instrumente zur Durchführung eines Kryonikfalls. Dirk Nemitz, Sektionsvorsitzender in der DGAB, erklärt die Motivation hinter der Kryonik und seinen Vertrag mit dem amerikanischen Cryonics Institute. Schließlich gibt Andy Zawacky vom Cryonics Institute eine Führung durch die Räume in Michigan, USA.

Der Beitrag auf Spiegel TV

DGAB-Mitglied hilft bei britischem Kryonikfall

Ende September waren sechs Mitglieder der DGAB in England, um am Training der englischen Gruppe Cryonics UK teilzunehmen. Bei dem Treffen wurde auch eine Vertiefung der Kooperation zwischen Cryonics UK und der DGAB vereinbart, mit dem Ziel, uns gegenseitig zu unterstützen. Wir hätten kaum damit gerechnet, dass sich so bald eine Gelegenheit ergeben würde, doch schon im Dezember war es soweit: Wir erhielten die Nachricht aus England, dass ein Kryonik-Fall akut eingetreten war und am selben Abend noch der sogenannte Standby starten würde.

Nach kurzfristiger Koordination erklärte sich unser Mitglied Kai Rathmann bereit, nach England zu fliegen, um am Standby teilzunehmen. Keine sechs Stunden später war er bereits auf dem Weg.

Der Fall

Während des Standbys wartete das Team rund um die Uhr in Einsatzbereitschaft auf die Deanimation des Patienten. Im Vorfeld besprach das Team das Vorgehen – rufbereite Ärzte für die Ausstellung des Totenscheins, den Umgang mit Außenstehenden, offizielle Dokumente – und bereitete die Instrumente und Medikamente für den Einsatz vor.

Nach Feststellung der Deanimation schloss das Team den Patienten sofort an eine Herz-Lungen-Maschine an und kühlte ihn mit Eis. Der gerufene Arzt traf wenig später ein und stellte den Totenschein aus. Das Team transportierte den Patienten im Eisbad mit dem teameigenen Krankenwagen in geeignete Räumlichkeiten, wo die Perfusion durchgeführt wurde. Danach wurde der Patient zu CI in die USA transportiert.

Rückblick

Wir sehen es sehr positiv, dass wir unsere Kooperation mit den Engländern so schnell unter Beweis stellen konnten und wir sind überzeugt, dass dieser gemeinsame Einsatz ein sehr gutes Fundament für die weitere Zusammenarbeit legt. Neben der gegenseitigen Unterstützung bei Einsätzen sind für die Zukunft insbesondere weitere gemeinsame Trainings (sowohl in England wie in Deutschland) geplant.

Autor: Torsten Nahm

Deutsche Kryoniker zu Besuch bei Kriorus in Moskau

Seit vielen Jahren setzt sich der Medizinprofessor Dr. med. Klaus Sames aktiv für die Kryonik ein. Er ist Mitbegründer und Ehrenvorstand der DGAB und hat die Kryonik in diesem Rahmen in Deutschland auf einem seriösen Niveau etabliert. Gleichzeitig ist er permanenter wissenschaftlicher Berater des Cryonics Institute in den USA. Im Herbst diesen Jahres hat er sich nun dank einer großzügigen Spende eines DGAB-Mitglieds selbst auch ein Bild von der Situation bei Kriorus in Moskau machen können.

Seit 2003 läuft der Betrieb bei Kriorus ohne Unterbrechungen, inzwischen sind dort 25 Kryoniker eingelagert. Ein Großteil der Patienten kommt aus der Russischen Föderation, aber es sind auch ausländische Kunden in Moskau kryokonserviert, beispielsweise aus den Niederlanden, Israel oder Estland. Kriorus bietet alle kryonischen Dienstleistungen an, von der menschlichen Ganzkörper-Kryokonservierung bis zur Neurokryokonservierung (bei der nur der Kopf kryonisch behandelt und gelagert wird), von der Kryokonservierung von Haustieren bis zur langfristigen Verwahrung von DNA-Proben. Die menschliche Kryokonservierung wird derzeit für USD 36.000 (Ganzkörper) bzw. USD 12.000 (Neuro) angeboten.

Während das Kontaktbüro im Herzen Moskaus liegt, befinden sich die kryonischen Anlagen etwa 50 km außerhalb. Klaus Sames konnte sich vor Ort davon überzeugen, dass alle notwendigen Geräte dort vorhanden und voll funktionstüchtig sind. Ein Balsamierer mit der nötigen Ausrüstung führt vor Ort die Perfusion mit Glycerin durch, die Einführung der Vitrifikation ist für Anfang 2014 geplant. Die Gebäude mit den Anlagen werden von einem Hausmeister permanent bewohnt und bewacht.

Im Gegensatz zu der Ausrichtung von Alcor und dem Cryonics Institute in den USA, welche als gemeinnützige Organisationen organisiert sind, wird Kriorus von zehn Gesellschaftern als gewinnorientiertes Unternehmen geführt. Dadurch gibt es auch keine feste Mitgliederstruktur, die Zahl der Kryonik-Interessenten wird von Kriorus auf ca. 600 geschätzt. Die Gesellschafter können beim Ausscheiden aus der Firma oder im Erbfall keine Anteile aus dem Firmenvermögen abziehen, was die Langzeitstabilität der Organisation sichern soll. Eine Prüfung dieser Regelungen nach russischem Recht konnte unsererseits verständlicherweise nicht erfolgen. In der Summe hat der Besuch bei Kriorus die deutschen Kryoniker positiv gestimmt – langfristig ist Kriorus dabei, sich zu einer ernsthaften Alternative zu den amerikanischen Anbietern zu entwickeln und das weltweite Angebot kryonischer Dienstleistungen weiter zu diversifizieren.

Autor: Dirk Nemitz