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 Betreff: Fragen zur Seriösität und "Wiederbelebung" 30.04.2010 – 00:02 Uhr 
Schatten

Gast

Ich habe durch Zufall auf spiegel.de einen Artikel gefunden, der mich auf Alcor verwiesen hat, wo wiederum ein Link zu dieser Seite zu finden war. Hier wiederum habe ich gelesen, dass Alcor die "teure alternative" ist. Daher habe ich mir nun auch einmal http://www.cryonics.org/ angesehen, aber naja...ich muss schon sagen, professionell sieht weder die Seite noch die Präsentation, wie zB bei http://www.cryonics.org/reports/CI93.html aus. Mehr nach einer Art Garagenprojekt.

Ich möchte mich daher mal erkundigen, ob sich schon jemand im Detail mit den Unterschieden zwischen Alcor und  dem Cryonics Institute auseinandergesetzt hat.

Ferner wäre es interessant zu erfahren, wie die Möglichkeiten in Deutschland aussehen, da Alcor quasi dringend dazu rät lokal "Hilfsgruppen" zu finden, weil es vermutlich sehr unvorteilhaft ist, wenn ein halb verwester Körper in den USA irgendwann dann einmal ankommt.

Desweiteren habe ich bisher nicht wirklich etwas zu "Wiederbelebung" gefunden. Die Kosten selber sind ja prinzipiell dazu da um die "Einfrierung", oder wie man den Fachbegriff auch jetzt nennen möchte, bzwdie Operation zum Abtrennen des Kopfe, sowie die Lagerung zu bezahlen. Wenn man aber nun irgendwo 2050 vor sich hin friert, sich aber niemand wirklich interessiert, dass man wieder zum leben erweckt wird, obwohl es technisch machbar wäre, dann hat man wohl ein Problem. Hat sich da von euch schon einmal jemand gedanken drum gemacht? Ist es vermutlich gar wie im "Mittelalter", dass die beste Vorsorge diesbezüglich die ist, entsprechend Nachwuchs in die Welt zu setzen (mit der man sich möglichst nicht kurz vor seinem Tod verkracht)?

PS: Auch wenn meine Schreibweise nicht die ernsteste ist, so sind meine Fragen doch ernst gemeint. ;)

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 Betreff: Re: Fragen zur Seriösität und "Wiederbelebung" 30.04.2010 – 09:25 Uhr 
Dirk Nemitz

Hallo Schatten,

vielen Dank für Dein Interesse! Du stellst einige wichtige und nicht ganz einfache Fragen, mal sehen ob ich dem gerecht werden kann.

Stichwort: Garagenprojekt
Die gesamte Kryonik wird von einer sehr kleinen Anzahl von Idealisten betrieben, die Ressourcen sind in der Tat begrenzt. Organisiert sind sie als Non-Profit-Organisationen (in den USA) bzw. als gemeinnütziger Verein (in Deutschland). Die Technik mag auf den ersten Blick improvisiert aussehen, was sie vermutlich aufgrund der sehr kleinen benötigten Stückzahlen an Geräten auch ist, aber jedes Detail ist durchdacht und wissenschaftlich fundiert (siehe auch den Artikel "Scientific Justification of Cryonics Practice" von Ben Best). Das erklärt auch den angestaubten Charakter der Homepage: derzeit liegt die Priorität der meisten Kryoniker auf der Verbesserung der technischen Protokolle, der Optimierung der Geräte, und - besonders in Deutschland - auf der Einrichtung von Transport-Infrastrukturen in die USA.

Stichwort: Hilfsgruppe in Deutschland
Willkommen bei der DGAB, hier bist Du schon genau richtig! Unsere Mitglieder waren in den letzten Jahren maßgeblich daran beteiligt, dass mehrere Patienten nach Deanimation in Deutschland oder einem Nachbarland erfolgreich in die USA transportiert werden konnten. Das ist die gute Nachricht - die schlechte: im Moment ist das noch absolut keine Routine, die Arbeit ist auf sehr wenige Hände verteilt. Wenn man sicher gehen möchte, dass man später selbst in den Genuss einer optimalen kryonischen Versorgung kommt, wäre es sinnvoll, den Fortschritt in dieser Richtung tatkräftig zu unterstützen.

Stichwort: Wiederbelebung
Die Kosten sind dafür da, die kryonische Versorgung und die Langzeitlagerung zu bezahlen, sowie ein gewisses Polster für die Reanimation zu schaffen. Man kann hier viel spekulieren, aber ich gehe erst einmal davon aus, dass Gleichgesinnte das Geld im entscheidenden Moment nicht veruntreuen werden, sondern die Reanimation der frühen Kryoniker durchführen. Vielleicht wird die Kryonik ja sogar einmal zu einer Notfallmedizin, bei der Menschen mit bestimmten Krankheiten oder Verletzungen erst einmal auf Eis gelegt werden? In so einem Fall hätte jeder ein Interesse daran, dass die so verwahrten Menschen wieder reanimiert werden - aber wie gesagt, das ist erst einmal alles Spekulation. Persönlich würde ich mich auf meinen Nachwuchs allerdings nicht verlassen, der kann im Moment der Deanimation sehr hilfreich sein, er kann der ganzen Prozedur aber auch viele juristische Stolpersteine in den Weg legen, wenn er sein Erbe gefährdet sieht - das weiß man vorher wohl nie so genau...

Mit dem Vergleich von Alcor und CI möchte ich Dich gerne noch ein paar Tage vertrösten, ich bereite gerade einen Vortrag zu dem Thema vor und denke, dass ich dann nächste Woche an dieser Stelle eine Zusammenfassung der wichtigsten Punke zur Verfügung stellen kann.


Viele Grüße

Dirk

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 Betreff: Re: Fragen zur Seriösität und "Wiederbelebung" 30.04.2010 – 12:53 Uhr 
Schatten

Gast

Vielen Dank schonmal für deine Antworten.

Ich werde gespannt auf deinen Vergleichsvortrag warten. :)

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 Betreff: Re: Fragen zur Seriösität und "Wiederbelebung" 12.05.2010 – 00:22 Uhr 
Dirk Nemitz

Hallo Schatten,

eine erste PDF-Version liegt mir jetzt vor, ich sie Dir gerne per E-Mail zusenden. Du müsstest mir nur eine Adresse zukommen lassen.

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 Betreff: Re: Fragen zur Seriösität und "Wiederbelebung" 14.06.2010 – 21:24 Uhr 
Schatten

Gast

Heya und sorry wegen der verspäteten Antwort.

Du kannst mir die PDF Datei an thewithdrawn@fantasymail.de schicken.

Vielen Dank schonmal. :)

 -Michael

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