DGAB besucht Balsamierer bei Ulm

Im Rahmen der DGAB sind inzwischen 10 Kryoniker im Großraum Stuttgart und Ulm aktiv. Im Oktober haben wir uns bei einem örtlichen Balsamierer getroffen, um Abläufe zu besprechen und die nächsten Schritte für eine Verbesserung der kryonischen Versorgung zu koordinieren.

Bei einer Führung durch die Räumlichkeiten des Balsamierers wurden uns die vorhandenen Materialien und Geräte erklärt. Dabei wurden die Vorteile einer Zusammenarbeit mit Balsamierern bei der kryonischen Versorgung deutlich: Voll installierte Räume, brauchbare Instrumente und ein komfortabler Arbeitsbereich sind dort standardmäßig vorhanden. Auch die Kenntnisse der Balsamierer können bei der kryonischen Versorgung eine Rolle spielen, die derzeitige Ausbildung umfasst neben dem praktischen Wissen über behördliche Abläufe auch medizinische Kenntnisse (vor allem des Kreislaufs), Kenntnisse der Infusion und Perfusion und einschlägige juristische Kenntnisse.

Prof. Klaus Sames stellte aktuelle und geplante Aktivitäten im Großraum Stuttgart/Ulm vor und berichtete über eine kürzlich durchgeführte realitätsnahe Simulation der kryonischen Suspension. Im Anschluss diskutierten wir Detailfragen, beispielsweise zu den verschiedenen Kryonikanbietern oder Versorgungsoptionen, und beantworteten Fragen neuer Mitglieder. Zu Besuch war auch unser Vorsitzender Tristan Behrens.

Das Team plant für 2014 weitere Schritte zur Sicherstellung der kryonischen Versorgung in Deutschland. Wer die Kryonik in Deutschland praktisch mitgestalten möchte, ist herzlich eingeladen! Das nächste Treffen der Gruppe soll voraussichtlich im Februar 2014 stattfinden.

Autor: Dirk Nemitz

Deutsche Kryoniker zu Besuch bei Kriorus in Moskau

Seit vielen Jahren setzt sich der Medizinprofessor Dr. med. Klaus Sames aktiv für die Kryonik ein. Er ist Mitbegründer und Ehrenvorstand der DGAB und hat die Kryonik in diesem Rahmen in Deutschland auf einem seriösen Niveau etabliert. Gleichzeitig ist er permanenter wissenschaftlicher Berater des Cryonics Institute in den USA. Im Herbst diesen Jahres hat er sich nun dank einer großzügigen Spende eines DGAB-Mitglieds selbst auch ein Bild von der Situation bei Kriorus in Moskau machen können.

Seit 2003 läuft der Betrieb bei Kriorus ohne Unterbrechungen, inzwischen sind dort 25 Kryoniker eingelagert. Ein Großteil der Patienten kommt aus der Russischen Föderation, aber es sind auch ausländische Kunden in Moskau kryokonserviert, beispielsweise aus den Niederlanden, Israel oder Estland. Kriorus bietet alle kryonischen Dienstleistungen an, von der menschlichen Ganzkörper-Kryokonservierung bis zur Neurokryokonservierung (bei der nur der Kopf kryonisch behandelt und gelagert wird), von der Kryokonservierung von Haustieren bis zur langfristigen Verwahrung von DNA-Proben. Die menschliche Kryokonservierung wird derzeit für USD 36.000 (Ganzkörper) bzw. USD 12.000 (Neuro) angeboten.

Während das Kontaktbüro im Herzen Moskaus liegt, befinden sich die kryonischen Anlagen etwa 50 km außerhalb. Klaus Sames konnte sich vor Ort davon überzeugen, dass alle notwendigen Geräte dort vorhanden und voll funktionstüchtig sind. Ein Balsamierer mit der nötigen Ausrüstung führt vor Ort die Perfusion mit Glycerin durch, die Einführung der Vitrifikation ist für Anfang 2014 geplant. Die Gebäude mit den Anlagen werden von einem Hausmeister permanent bewohnt und bewacht.

Im Gegensatz zu der Ausrichtung von Alcor und dem Cryonics Institute in den USA, welche als gemeinnützige Organisationen organisiert sind, wird Kriorus von zehn Gesellschaftern als gewinnorientiertes Unternehmen geführt. Dadurch gibt es auch keine feste Mitgliederstruktur, die Zahl der Kryonik-Interessenten wird von Kriorus auf ca. 600 geschätzt. Die Gesellschafter können beim Ausscheiden aus der Firma oder im Erbfall keine Anteile aus dem Firmenvermögen abziehen, was die Langzeitstabilität der Organisation sichern soll. Eine Prüfung dieser Regelungen nach russischem Recht konnte unsererseits verständlicherweise nicht erfolgen. In der Summe hat der Besuch bei Kriorus die deutschen Kryoniker positiv gestimmt – langfristig ist Kriorus dabei, sich zu einer ernsthaften Alternative zu den amerikanischen Anbietern zu entwickeln und das weltweite Angebot kryonischer Dienstleistungen weiter zu diversifizieren.

Autor: Dirk Nemitz

Bericht: Aschwin de Wolf besucht DGAB-Labor

Zum 3. Münchener Labortreffen in München hatte die DGAB einen besonderen Gast zu Besuch. Aschwin de Wolf ist aktiv in der Kryonik-Forschung tätig und damit, leider, noch eher eine Seltenheit. Dies zu ändern ist natürlich eine Bestrebung, die nicht nur die DGAB so gut wie möglich verfolgen möchte. Das Labortreffen am Wochenende des 14.–15. Septembers bot daher eine gute Möglichkeit, sowohl hilfreiche Ratschläge für die Planung und den Aufbau eines Deutschen Einsatzteams zu bekommen, als auch aus erster Hand von den Forschungsaktivitäten und aktuellen Erkenntnissen aus den USA zu erfahren.

Zunächst konnte Aschwin in mehreren Gesprächsrunden aus erster Hand von Kryonik-Fällen in den USA berichten und wertvolle Hinweise geben, worauf es in verschiedenen Situationen bei der Erstversorgung ankommt und welche Maßnamen jeweils die Prioritäten sein sollten. Außerdem konnten Aspekte zum benötigten Material und zur idealen Stärke eines möglichen landesweit operierenden Kryonik-Einsatzteams diskutiert werden. Diese Erfahrungen sollen in den mittelfristig geplanten Aufbau eines deutschen Teams mit Unterstützung der DGAB einfließen. Das Ziel ist es dabei, unter den jeweiligen Umständen des Kryonikpatienten die Gewebeschäden, insbesondere des Gehirns, bis zur Perfusion und endgültigen Lagerung so gering wie möglich zu halten und damit die Chancen auf Reanimation in der Zukunft zu maximieren.

Weiterhin stand ein gemeinsamer Laborbesuch an, bei dem insbesondere der neu aufgebaute Perfusionskreislauf und der angeschaffte Thumper diskutiert werden konnten. Der Perfusionskreislauf dient dabei zunächst als Testaufbau zur Erprobung der Funktionsweise und zur Optimierung der Flussraten in kommenden Versuchen. Auch hier konnte Aschwin praktische Hinweise geben.

Schließlich konnte Aschwin noch interessante Einblicke in die aktuelle Kryonik-Forschung geben, die sich in letzter Zeit hauptsächlich auf die Gewebe- und Zellebene erstreckt hat. Diese Erkenntnisse fließen dann in die Empfehlungen zur Patientenversorgung ein, um klare wissenschaftliche Grundlagen für eine bestmögliche Versorgung zu legen. Aktuell werden aber auch wieder zunehmend Versuche mit lebenden Kleinorganismen durchgeführt, um das Verhalten eines komplexen Gesamtsystems unter kryonischen Bedingungen zu untersuchen. Auf Details kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Wer Interesse daran hat, sei angeregt, im Oktober 2014 am 2. Internationalen Symposium der DGAB teilzunehmen, für das wir Aschwin de Wolf aller Voraussicht nach als Sprecher gewinnen werden.

Autor: Frank Seifert

Online-Veranstaltung zur Kryonik

Am morgigen Sonntag, den 1. Dezember, veranstalten die London Futurists ein Online-Panel über die Zukunft der Kryonik. Um 20:00 Uhr deutscher Zeit treffen aufeinander:

Die Live-Diskussion kann jeder auf Google+ oder YouTube verfolgen.

Update: Eine Aufzeichnung der Veranstaltung ist jetzt verfügbar.

DGAB besucht englische Kryoniker

Am letzten September-Wochenende fand in London ein Training der englischen Gruppe Cryonics UK statt. Insgesamt sechs Mitglieder der DGAB waren bei dem Treffen anwesend, um mit den Engländern zu trainieren, zu diskutieren und sich den Stand der Kryonik in England aus nächster Nähe anzusehen.

Cryonics UK ist ein großer, gut organisierter und engagierter Verein, der ein hohes Versorgungsniveau erreicht hat. Neben allen nötigen Geräten und Vorräten (Medikamente, Eisbad, Rollerpumpe und viele, viele weitere) besitzt Cryonics UK auch einen eigenen Rettungswagen für den Einsatz.

Neben theoretischen Übungen und Diskussionen über den Notfalleinsatz haben wir an Übungen u.a. zum Perfusionskreislauf, am Thumper, am Eisbad und zum Medikamentenzugang teilgenommen. Die praktische Erfahrung der Engländer (Cryonics UK hat bereits bei mehreren Kryonik-Fällen die Erstversorgung durchgeführt) ist deutlich spürbar. Insgesamt haben wir viel gelernt und mit nach Hause genommen.

Die beste Neuigkeit gibt es zum Schluss: Cryonics UK ist bereit, anfallende Fälle in Deutschland direkt (mit Personal und Geräten) zu unterstützen. Durch die Kooperation mit den Engländern erhoffen wir, dass schon bald eine Erstversorgung direkt für deutsche Kryoniker angeboten werden kann.

Wir möchten uns ganz herzlich bei Cryonics UK für die freundliche Einladung bedanken und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

Autor: Torsten Nahm

Ist Kryonik in Deutschland möglich?

Unseren Verein erreichen immer wieder Fragen dazu, ob Kryonik in Deutschland überhaupt möglich sei. Hierzu zunächst einmal die gute Nachricht: Ja, Kryonik ist in Deutschland möglich. Die vollständige Antwort ist allerdings etwas komplexer.

Kryonische Erstversorgung

Sobald ein Arzt in Deutschland einen Totenschein ausgestellt hat, dürfen Berechtigte mit der kryonischen Erstversorgung beginnen. Zum Kreis der Berechtigten gehören in der Regel Mediziner und Bestatter. Die kryonische Erstversorgung umfasst dann viele Einzelschritte, von schneller Kühlung des Patienten auf eine Temperatur nahe null Grad Celcius, über Medikamentengabe bis hin zur Perfusion, bei der das Blut des Patienten durch eine Schutzlösung ersetzt wird. Diese Schutzlösung verhindert beim weiteren Herunterkühlen des Körpers unter eine Temperatur von null Grad Celcius die Bildung von Eiskristallen, die das Gewebe des Patienten, insbesondere aber die neuronale Struktur des Gehirns, schädigen würden.

Derzeit gibt es niemanden, der eine vollständige kryonische Erstversorgung als Paket an Serviceleistungen in Deutschland anbietet. Wer sich ernsthaft für Kryonik als Option zur Lebensverlängerung interessiert, muss sich selbst um eine Reihe von Vorbereitungen kümmern. Unser Verein bietet Interessierten eine Plattform, um sich über diese Vorbereitungen auszutauschen. Gleichzeitig bilden sich derzeit in immer mehr Landesteilen auch regionale Selbsthilfegruppen, so dass Kryonikinteressenten die kryonische Versorgung trainieren und dann als freiwillige Helfer gegebenenfalls unterstützen können.

Kryonische Langzeitlagerung

Nach der kryonischen Versorgung muss der Patient gekühlt gelagert werden, was derzeit bei einer Temperatur von -196°C in flüssigem Stickstoff geschieht. In den USA gibt es seit über 40 Jahren zwei Institute, die diese Langzeitlagerung anbieten: die Alcor Life Extension Foundation in Arizona und das Cryonics Institute in Michigan. In allen uns bekannten Fällen haben deutsche Kryoniker sich nach der kryonischen Versorgung in Deutschland dann für die Langzeitlagerung bei einem dieser beiden Institute in den USA entschieden, der Körper wurde dann von einem Bestatter überführt. Theoretisch existiert noch eine alternative Möglichkeit zur Langzeitlagerung in Russland, bei der 2005 gegründeten Firma KrioRus nahe Moskau. In Australien arbeitet Stasis Systems Australia am Aufbau eines weiteren Instituts, welches aber derzeit noch keine Langzeitlagerung anbietet.

Der Aufbau einer eigenen Langzeitlagerung in Deutschland ist theoretisch möglich, praktisch aber nicht ganz einfach. Die Rechtslage sieht in Deutschland im Normalfall die Erd- oder Feuerbestattung vor. Ausnahmen zu dieser Regelung werden allerdings regelmäßig erwirkt, beispielsweise im Falle von Körperspenden an medizinische Institute zu wissenschaftlichen Zwecken. Auf diesem Wege ist beispielsweise die bekannte Körperwelten-Ausstellung durch den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg rechtlich legitimiert worden, und auch die amerikanischen Kryonik-Anbieter arbeiten dort unter dem entsprechenden Gesetz zur Körperspende (dem „Uniform Anatomical Gift Act“).

Ob der Aufbau eines Instituts in Deutschland aktuell sinnvoll wäre, wird unter Kryonikern diskutiert. Dafür spräche, dass Kryoniker eine weitere Option für die Langzeitlagerung zur Auswahl hätten und gegebenenfalls der Langstreckentransport auf einen anderen Kontinent wegfiele. Dagegen spräche die relativ geringe Fallzahl weltweit, welche den Betrieb weiterer Institute erschwert und relativ teuer macht – bei den seit 40 Jahren tätigen Instituten in den USA befinden sich derzeit insgesamt gut 200 Kryoniker in Langzeitlagerung. In jedem Fall wären aufgrund der besonderen rechtlichen, geographischen und geopolitischen Situation im kleinräumig strukturierten Europa intensive Gespräche mit Kryonikern aus den Nachbarländern notwendig, um das europäische Land mit den kryonikfreundlichsten Rahmenbedingungen zu identifizieren und dann gemeinsam an einem Institut für die kryonische Langzeitlagerung zu arbeiten. Wer sich hier ernsthaft einbringen oder mitdiskutieren möchte, ist in unserem Verein sehr herzlich willkommen!

Autor: Dirk Nemitz

Deutsche Dokumentarfilmer besuchen Cryonics Institute

Ein deutsches Filmunternehmen besuchte im August das Cryonics Institute in Michigan, USA, eine der beiden großen etablierten Kryonik-Organisationen.

Das Team von Petrolio Films um den Regisseur Hannes Lang (links im Bild, neben Journalist Thilo Schmidt) arbeitet an einer Dokumentation über Menschen in verschiedenen Ländern, die sich für Verbesserungen in der Welt einsetzen. Gespräche, das Cryonics Institute als ein Beispiel dafür zu nehmen, fanden bereits 2012 statt. Das Filmprojekt, das den Namen „I want to see the manager“ trägt, erhält Fördergelder von Deutschland und ist seit zwei Jahren in Vorbereitung.

Wir sind gespannt auf den Film, der 2014 erscheinen soll.

Quelle: The Macomb Daily
Homepage des Filmprojektes

Aschwin de Wolf wird DGAB-Labor besuchen

Für das Wochenende des 14.–15. Septembers konnte die DGAB mit Aschwin de Wolf einen besonderen Gast gewinnen, unser Labor in München zu besuchen.

Unser Mitglied Prof. Dr. Peter Gouras schreibt: „Aschwin de Wolf und seine Frau Chana sind einige der wenigen Wissenschaftler, die sich mit der Kryokonservierung beschäftigen… Ich halte ihre Arbeit für beeindruckend und dringend erforderlich für unsere Bewegung. Nichts ist wichtiger als die Durchführung wissenschaftlicher Experimente, welche Methode optimal ist, Leben nach langer Lagerung in tiefen Temperaturen zu konservieren und wiederzubeleben. Aschwin und Chana verstehen dieses Problem sehr gut und verdienen besondere Unterstützung von allen, die eine erfolgreiche Kryonik wollen.“

Der Besuch von Aschwin gibt dem Verein die Möglichkeit, unter professioneller Anleitung im Labor zu arbeiten, praktisch zu üben und natürlich viele Fragen zu stellen – von der praktischen Erstversorgung bis zum aktuellen Stand der Kryonikforschung.

Neben unserem anstehenden Besuch in London am 28.–29. September ist dies eine weitere Möglichkeit für unsere Mitglieder, praktisch für die Kryonik tätig zu werden und gleichzeitig internationale Kontakte zu knüpfen.